Das Heizungsprojekt

Repost aus Januar 2021, da ich mein WordPress nochmal neu aufsetzen musste.

Wer meinem Zweit-Ich IT_Fettchen auf Twitter folgt, durfte und musste 2020 mitverfolgen, dass unsere desastrÖÖse Heizungsanlage etwas „optimierungspotential“ hatte.
Im Dezember 2019 verreckte nach nur 12 Jahren die Steuerungsplatine, die zwei Reparatur-Versuche der Techniker scheiterten, und auch meine Lieblingshacker-Space, die Westwood-labs, konnten mit ihren Lötkünsten nichts mehr ausrichten.
Witzigerweise konnte Fa. Wolf auch keine Ersatzplatine liefern, also durften wir unsere recht moderne Ölheizung nach nur 12 Jahren abbauen lassen. Der schöne Nebeneffekt: Durch den Abbau der Öltanks haben wir nun einen Kellerraum mehr. 🙂

Wir entschieden uns für eine Kombination aus Luft-Wärmepumpe und Gasheizung. Auf vielfachen Wunsch werde ich den erfolgten Umbau und die noch laufende „Smart-Home-Integration“ verbloggen.
Das Projekt ist noch nicht ganz fertig und wird mehrere Blog-Teile haben.
In Teil 1 geht es um die grundlegenden Überlegungen, Teil 2 wird sich mit der Auswertung der Energiekosten mittels Raspberry Pi beschäftigen.

Teil 1: Grundlegende Überlegungen
Wie erwähnt, entschieden wir uns für eine Kombination aus Luftwärmepumpe und Gasheizung (Bosch SAS 11-2 ASB & Condens GC 900) . Die Wärmepumpe sorgt dabei für Heizung und Warmwasser. Am liebsten wäre uns eine 100 %-Wärmepumpen-Lösung gewesen, doch der Installateur hatte Bedenken, dass dies in unserem mäßig isolierten Albau aus den 60ern mit ca. 160 qm Wohnfläche nicht ausreicht – mit diesen Bedenken hatte er recht.

Kostentechnich ist dies natürlich ein Brocken, die Modernisierung mit Wärmepumpe wurde jedoch zu 40 % gefördert, somit war die Gesamtanlage ungefähr 5.000 Euro teurer als eine reine Gasheizung – in diesen Mehrkosten ist jedoch eine komplett neue Strom-Unterverteilung enthalten, die eh irgendwann angestanden hätte. Die alte Verteilung stammt aus den 60er und war wirklich gruselig.


Heizkörper: Die Wärmepumpe arbeitet mit einer deutlich geringeren Vorlauf-Temperatur (40-45 Grad). Dies bedeutet, dass man evtl. größere Heizkörper braucht. In unserem Fall wurden zwei Heizkörper getauscht.

Wärmepuffer / Nachtabsenkung: Aufgrund der geringeren Vorlauftemperatur ist ein Wärmepuffer für das Heizungswasser erforderlich. Durch den lohnt sich jedoch die Nachtabsenkung nicht mehr. Dies wäre evtl. noch ein Einsatzgebiet für smarte Thermostate an den Heizkörpern, um den nächtlichen Energieverbrauch zu senken.
Update 2022: Smarte Thermostate senken die Kosten wirklich spürbar – und natürlich auch den nächtlichen Lärm der Wärmepumpe, da die Thermostate erst um 6:00 aufdrehen.

Stromanbieter: Sucht Euch einen günstigen Wärmestromtarif. Wir haben uns für Strom aus erneuerbaren Energien entschieden. Viele Stromanbieter sehen beim Wärmestrom ein Abschaltung in Höchstlastzeiten durch den Netzanbieter vor, diese Tarife sind meist etwas günstiger. Da die Wärmepumpe, je nach Energiebedarf in Intervallen anspringt, könnte bei zeitgleicher Abschaltung durch den Anbieter ein längeres „Loch“ entstehen.


Lautstärke: Unser Modell der Wärmepumpe gilt als „leise“. Trotzdem würde ich dringend empfehlen, das Außengerät nicht vor das eigene Schlafzimmer oder das Schlafzimmer des Nachbarn zu stellen. „Offiziell“ sollen 5 meter Abstand zum Nachbargebäude eingehalten werden. Wenn das Ding auf Höchstleistung läuft, reicht das nicht. Es gibt natürlich auch schalldämmende Verschalungen, die aber nicht gerade preiswert sind.

Die Steuerung des Hybridsystems erfolgt durch die Wärmepumpe und ist recht einfach. Hier wird ein Preisfaktor zwischen Strom und Gas hinterlegt. (Strompreis / Gaspreis * Brennwert des Gas-Kessels).
Anhand der notwendigen Vorlauftemperatur für die Heizung entscheidet die Wärmepumpe, ob ein erhitzen mit Strom der Gas günstiger ist. Bei Außentemperaturen ist die Wärmepumpe im Vorteil. Sie zieht ihre Energie aus Strom und Luft, in KW ungefähr im Verhältnis 1 (Strom) :4 (Luft).
Bei niedrigen Temperaturen kühlen die schlecht isolierten Heizungsrohre jedoch schneller aus, man braucht also einen deutlich wärmeren Vorlauf. In diesem Fall spring die Gasheizung an. Außerdem wird einmal pro Woche der Warmwasserkessel zur thermischen Desinfektion auf 70 Grad hochgeheizt. Auch dies erfolgt mit Gas.

Die Gasheizung hat hier einen entscheidenden Nachteil: Sie kennt nur an oder aus, also keine Heizprogramme.
Nachtrag 2022: Mit Beginn des Ukrainie-Krieges haben wir den Gaspreis in den Systemeinstellungen künstlich erhöht. Somit verbrauchen wir fast kein Gas mehr – nur noch zu thermischen Desinfektion.

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