Warum ich mir neue, veraltete Technik gönne
Ich brauche selten ein eigenes PA-Equipment. Wenn ich irgendwo Musik mache, ist meistens alles da. Effektgerät ins Mischpult stöpseln, ein Tontechnik-affiner Mensch macht den Rest – fertig.
Trotzdem gibt es diese wenigen Anlässe, bei denen ich mein eigenes Equipment brauche. Leider stellte sich bei den letzten zwei Veranstaltungen heraus, dass ich meine eigene Technik zu selten bediene, um auch im Fehlerfall eine Lösung zu finden. Mein Hauptproblem war das Mischpult: Ich hatte bis Weihnachten einen analogen „Billig-Mixer“ von Behringer - und habe vor einer Veranstaltung fast zwei Stunden damit zugebracht, einen einigermaßen verträglichen Sound hinzubekommen. Das lag sicher nicht am Gerät, sondern eher an meinen Fähigkeiten, das Gerät zu bedienen.
Nein, ich bin bezüglich des Sounds nicht überpenibel. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die behaupten den Jahrgang des Kupferdrahtes im Tonabnehmer am Klang zu erkennen, oder einen Unterschied zwischen einen „normalen“ und einen spiralförmigen Gitarrenkabel heraushören.
Meine Prioritat: Ich will es einfach aber trotzdem gut haben. Ich liebe den Sound meines Röhrenamps, aber ich mag ihn nicht mehr irgendwohin schleppen. Ich will ausfallsichere Technik, die nicht zickt - und mein altes Mischpult zickte.
Ein Freund wies mich darauf hin, dass die Soundcraft-UI-Reihe gerade um fast 50% reduziert ist. „Aber das ist halt veraltete Technik. Das Modell ist neun Jahre alt, die bringen sicher bald etwas Neues raus.“
Als ITler bin ich sicher kein Freund von veralteter Technik.
Aber: Das Gerät ist perfekt für mich.
Die Vorteile:
Was ich besonders mag:
1. Das Gerät hat den WiFI-Router integriert
2. Alles funktioniert über den Browser, an jedem Device, ich brauche keine App. So etwas wünsche ich mir öfter. Für andere Bands habe ich inzwischen drei(!) Mixer-Apps EINES Herstellers auf dem Smartphone. Warum ist das notwendig?
Was passiert, wenn ein neues OS die alte App nicht mehr unterstützt? Soll ich dann meinen Mixer wegwerfen? Zum Glück hat sich Soundcraft für einen anderen Weg entschieden.
Durch die Browserunterstützung hat sogar mein altes iPad, mit veraltetem iPad OS noch einen sinnvollen und risikofreien Einsatz als Steuerungsdevice für den Mixer.

Zur Usabillity:
Das Ding ist deutlich komplexer als mein vorheriges Analogpult. Man hat viele Möglichkeiten, von denen ich aber nur einen Bruchteil nutzen werde.
Aber: Es ist logischer aufgebaut. Nach 20 Minuten Spielerei hatte ich ein besseres Ergebnis als jemals zuvor mit dem analogen Pult.
Die Nachteile:
Ja, es ist technisch veraltet. Es hat nur WPA2, aber wie groß ist das Risiko, dass jemand in den 2-3 Stunden, in denen das Ding läuft, in mein WiFI einhacken will? Und welche Daten will er von meinem Mixer stehlen?
Modernere Geräten sind vielleicht komfortabler. Man kann jedem Kanal ein Instrument zuweisen (1=Gesang, 2=A-Git, 3=Percussion), den Rest machen modernere Geräte oft automatisch. Dies ist aber kein Usecase für mich.
Das Gerät hat leider auch kein Bluetooth, was tatsächlich bedauerlich ist. Dieses Problem lässt sich aber einfach und billig mit einem Bluetooth-Empfänger am Line-In lösen.
Fazit:
Weniger ist manchmal mehr. Für meinen Usecase ein tolles Gerät. Derzeit sehr günstig, technisch ausreichend, einfach zu bedienen und robust.